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Technische Universitaet Bergakademie Freiberg
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Geschichte des Instituts für Eisen- und Stahltechnologie
An der 1765 gegründeten Bergakademie Freiberg ist seit Aufnahme des Lehrbetriebes die Ausbildung für die Berg- und Hüttenleute klar von einander getrennt.
 
Obwohl es im Rahmen der hüttenmännischen Ausbildung auch Vorlesungen zum Eisenhüttenwesen gab - lobend erwähnt werden vor allem die ab 1789 gehaltenen Vorträge von Abraham Gottlob Werner /1/, dauerte es mehr als 100 Jahre, bis die " Eisenhüttenkunde" eine selbständige Fachrichtung an der Freiberger Bergakademie wurde. werner-k
 
Dies geschah 1872 im Rahmen einer Initiative des damaligen Direktors der Bergakademie, Gustav Zeuner, die eine grundlegende Reform der Bergakademie zum Ziele hatte.
 
Der zu jener Zeit starke Aufschwung in der Eisenhüttenindustrie Deutschlands war Anlaß für die Berufung des Gröditzer Hüttenmeisters Adolf Ledebur am 1. 12. 1874 als Professor für die neugeschaffene Eisenhütten- und Salinenkunde sowie als Leiter des Eisenhüttenlaboratoriums an der Hochschule in Freiberg.
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Grundlage für Ledeburs Lehrtätigkeit war die Vermittlung von Kenntnissen in der metallurgischen Chemie sowie eigener Forschungsergebnisse auf schmelzmetallurgischem und werkstoffkundlichem Gebiet. Er stellte seine Lehrtätigkeit unter die Maxime der Einheit von Theorie und Praxis, von Lehre und Forschung.

Diesem Leitmotiv für die eisenhüttenmännische Ausbildung fühlten sich auch die Nachfolger Ledeburs im Amt des Ordinarius des Freiberger Eisenhütteninstituts, Johannes Galli 1906-1925, Eduard Maurer 1925-1945, Ernst Diepschlag 1946-1953, Wolfgang Küntscher 1953-1956, Karl-Friedrich Lüdemann 1956-1967 und Hans-Joachim Eckstein 1967-1992, verpflichtet.
Aus der Feder von A. Ledebur stammen 155 Veröffentlichungen sowie 13 Fachbücher in 36 Auflagen, die z. T. ins Französische, Russische und Japanische übersetzt wurden /2/. Das "Handbuch der Eisenhüttenkunde", erstmals 1883 und später in 8 weiteren Auflagen erschienen, war wohl seine bedeutendste Publikation und wurde in vielen Ländern als das Standardwerk der Eisenhüttenleute verwendet. Noch zu Lebzeiten wurden Ledebur hohe Ehrungen zuteil. Mit dem nach ihm benannten "Ledeburit" für das eutektische Gefüge von Eisen-Kohlenstoff-Legierungen hat ihm die Fachwelt eine bleibende Würdigung seiner Verdienste als Hochschullehrer und Forscher verliehen /3/.
 
Ledeburs Nachfolger als Lehrstuhlinhaber war sein Schüler Johannes Galli. Er führte am Freiberger Eisenhütteninstitut eine praxisorientierte Lehre und Forschung ein. Die Freiberger Beiträge zur Entwicklung der wissenschaftlichen Grundlagen des Eisenhüttenwesens waren in dieser Zeit eher begrenzt /4/.
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Das änderte sich grundlegend, als 1925 Eduard Maurer den Lehrstuhl für Eisenhüttenkunde übernahm. Er stützte sich in seiner Lehrtätigkeit auf die Erkenntnisse der physikalischen Chemie und knüpfte damit an das Ledebursche Prinzip zur wissenschaftlichen Durchdringung der eisen-metallurgischen Prozesse auf höherer Stufe an.
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Eine wesentliche Voraussetzung für diese Bestrebungen war der Bezug des 1930 fertiggestellten und sehr modern ausgestatteten Ledebur-Baus  /5/ an der Leipziger Straße.
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Zum Institut gehört neben dem Hauptgebäude eine große metallurgische Halle und die kleinere Lauchhammer-Halle. Die umfangreichen schmelz-, gieß- und umformtechnischen Einrichtungen ermöglichen eine betriebsnahe Lehr-, Übungs- und Forschungstätigkeit
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Im Ledebur-Bau waren auch die innerhalb der Fachrichtung Eisenhüttenkunde angesiedelten Lehrstühle für Gießereiwesen (1927) und Verformungswesen (1928) untergebracht, die später selbständige Fachrichtungen bildeten. Die wissenschaftlichen Arbeiten Eduard Maurers umfassen das gesamte Gebiet der Eisenmetallurgie und Eisenwerkstoffe. Anläßlich seines 50jährigen Dr.-Ing.-Jubiläums /6/  und des 100jährigen Jubiläums der Fachrichtung Eisenhüttenkunde in Freiberg /4/ wurde sein Wirken eingehend gewürdigt. Schwerpunkte der Forschungstätigkeit von Eduard Maurer waren die Aufklärung der Vorgänge bei der Stahlhärtung und beim Anlassen, die Optimierung der Wärmebehandlung nichtrostender Cr-Ni-Stähle, die Untersuchung der Eigenschaften schwerer Schmiedestücke sowie die Erforschung der physikalisch-chemischen Zusammenhänge der Stahlherstellung und des Verhaltens nichtmetallischer Einschlüsse und Gase im Stahl. Seine bedeutendste Leistung dürfte zweifellos sein Beitrag zur Entwicklung der nichtrostenden Stähle sein.
 
Professor E. Maurer war bis 1945 Direktor des Freiberger Eisenhütten-Instituts. Mit der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs erfolgte am 1. 2. 1946 die Berufung von Ernst Diepschlag auf die beiden Lehrstühle für Eisenhüttenkunde und Gießereiwesen. Er war vor allem durch zahlreiche Arbeiten auf dem Gebiet der Roheisenerzeugung bekannt. Diepschlag wurde 1953 aus gesundheitlichen Gründen emeritiert.
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Auf den Lehrstuhl für Eisenhüttenkunde in Freiberg folgte am 15. 6. 1953 der damalige Technische Direktor des Stahl- und Walzwerks Hennigsdorf, Wolfgang Küntscher.
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Mit seinem Namen sind die Entwicklung des druckwasserstoffbeständigen Stahls 21CrVMo12 (damals bekannt unter dem Namen NIO) und das gemeinsam mit H. Kiegler und W. Biegler erarbeitete Buch "Technische Baustähle" verbunden, das später zu dem mehrbändigen Werk "Baustähle der Welt" erweitert wurde. Küntschers Forschungsarbeit war weitgehend praxisorientiert und vor allem auf die Belange der im Aufbau befindlichen Eisenhüttenindustrie Ostdeutschlands zugeschnitten. Erwähnt seien seine Untersuchungen zum Krupp-Renn-Verfahren, zur metallurgischen Brauchbarkeit des von Rammler und Bilkenroth entwickelten Braunkohlen- Hochtemperatur-Kokses und zum Blasen mit sauerstoffangereichertem Wind in den Thomas-Konvertern der Maxhütte Unterwellenborn. Sein metallurgischer Weitblick wird dadurch dokumentiert, daß er bereits 1954, also 2 Jahre nach der großtechnischen Erprobung des LD-Verfahrens, in seinen Vorlesungen die vollständige Ablösung des Siemens-Martin-Verfahrens durch den Sauerstoffkonverter voraussagte. Zu Küntschers Zeiten wurden die stärksten Studentenjahrgänge immatrikuliert und unter seinem Nachfolger, K.-F. Lüdemann, zum Diplom geführt. Das Anwachsen der Studentenzahlen und die umfangreiche Forschungstätigkeit waren die Ursachen für die Erweiterung des Institutes durch einen Neubau zwischen Lauchammer- Halle und Ledebur-Bau. In diesem Neubau, der am 7. 6. 1956 anläßlich des 50. Todestages von A. Ledebur seiner Bestimmung übergeben wurde, sind neben einem umfangreichen chemischen Laboratorium der große Hörsaal, das metallurgische Praktikum, werkstoffprüftechnische Einrichtungen und die mechanische Werkstatt untergebracht.
 
Bevor W. Küntscher 1957 für 2 Jahre in die Volksrepublik China ging, um dort bei der im Aufbau befindlichen Eisenhüttenindustrie technische Hilfestellung zu geben, war am 1. 8. 1956 K.-F. Lüdemann als Leiter des Lehrstuhls für Eisenhüttenkunde nach Freiberg berufen worden.  ludemann-k 
 
Die Möglichkeit dafür ergab sich dadurch, daß die Ausbildung von Eisenhüttenleuten an der Humboldt-Universität in Berlin eingestellt worden war. Dort war Lüdemann als Vertreter des Lehrstuhlinhabers, Eduard Maurer, tätig. K.-F. Lüdemann richtete am Eisenhütteninstitut eine Abteilung Sonderstahlkunde sowie eine von H.-J. Eckstein wahrgenommene Dozentur ein /4/ . Typisch für die Forschungstätigkeit von K.-F. Lüdemann war die praxisorientierte Grundlagenforschung auf schmelzmetallurgischem und eisenwerkstoffkundlichem Gebiet. Als Beispiele seien die umfangreichen Grundlagen- und Betriebsuntersuchungen zum Einblasen von Braunkohlenstaub in die Hochöfen des damaligen Eisenhüttenkombinats Ost, zur Metallurgie des Niederschachtofens, zur Vorverlegung der Entphosphorung beim Thomas-Verfahren, zur Entwicklung des ESU-Verfahrens und zur Nitrierung von Stählen genannt /4/ . Die von ihm 1963 veranlaßte Differenzierung der Fachrichtung Eisenhüttenkunde in die Richtungen Metallurgie und Sonderstahlkunde hat sich nicht als zweckmäßig erwiesen und wurde nach kurzer Zeit wieder rückgängig gemacht. 
 
Als K.-F. Lüdemann unmittelbar nach seiner zweiten Wahl zum Rektor der Bergakademie am 29. 5. 1967 plötzlich verstarb, wurde der Freiberger Eisenhüttenlehrstuhl Hans-Joachim Eckstein übertragen.
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Gleich nach Beginn seiner Tätigkeit wurde 1968/69 an den Hochschulen und Universitäten der DDR die sogenannte 3. Hochschulreform wirksam. Aufgrund staatlicher Vorgaben mußte die Studiendauer mehrmals geändert werden. Ähnliche Änderungen hatte es aber auch schon früher gegeben. So hatte Diepschlag eine vierjährige Ausbildung für ausreichend gehalten, Küntscher dagegen führte das Fünf-Jahres-Studium und zusätzlich ein Jahr Vorpraktikum wieder ein.

Im Rahmen der 3. Hochschulreform wurde die Studienzeit 1969 erneut auf 4 Jahre reduziert und 1973 auf 4 1/2 Jahre festgesetzt. Auch die Aufteilung des Studienjahres in Trimester wurde für 2 Jahre praktiziert. Es ist ohne Zweifel ein Verdienst von H.-J. Eckstein, daß er besonders auf eine gute mathematisch-naturwissenschaftliche Grundausbildung der Freiberger Eisenhüttenleute Wert legte, womit er eine wesentliche Voraussetzung dafür schuf, daß ein Freiberger Absolvent den Vergleich zu Absolventen vergleichbarer Hochschulen nicht zu scheuen brauchte. Die Zahl der Mitarbeiter konnte gehalten und die Zahl der Hochschullehrerstellen erhöht werden. In der Amtszeit von H.-J. Eckstein erfolgte die Einrichtung einer Professur "Eisenmetallurgie", einer Dozentur "Technologie der Eisen- und Stahlerzeugung" und einer weiteren Dozentur "Systemtechnik". Auf diese Weise wurde eine den derzeitigen Anforderungen entsprechende Verbesserung der Qualität der Ausbildung der Freiberger Eisenhüttenleute erreicht.

Mit der 3. Hochschulreform verbunden war die Umwandlung der Institute in Wissenschaftsbereiche, wobei fachlich zusammengehörige Wissenschaftsbereiche zu Sektionen zusammengefaßt wurden. Aus dem Eisenhütteninstitut wurde der Wissenschaftsbereich "Erzeugung von Eisenwerkstoffen" in die Sektion "Metallurgie und Werkstofftechnik" integriert. Gleichzeitig erfolgte auch die Organisation der Forschung auf interdisziplinärer Basis. Zur Bearbeitung vorgegebener Forschungsthemen wurden jeweils fachlich kompetente Vertreter unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche für die erforderliche Zeit zu Forschungsgruppen unter der Leitung eines Hochschullehrers zusammengefaßt.

 
Für die unter der Leitung von H.-J. Eckstein an der Sektion Metallurgie und Werkstofftechnik geleistete Arbeit seien beispielhaft die Forschungsschwerpunkte "Hochlegierte Stähle" /7, 8/, "Hochfeste schweißbare Baustähle" /7, 8/ und "Korrosionsträge Stähle" /9/ genannt.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der damit verbundenen Reform der Hochschulen der neuen Bundesländer entstand das Freiberger Eisenhütteninstitut wieder und wurde dem Fachbereich "Metallurgie und Werkstoffertigungstechnologie" angegliedert. Nach dem Ausscheiden von H.-J. Eckstein am 30. 6. 1992 wurden die Dienstgeschäfte des Eisenhütten-Institutes vorübergehend von D. Peisker wahrgenommen.
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Vom 1. 4. 1993 bis 31. 3. 2001 war D. Janke, vorher am Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf tätig, Direktor des Eisenhütten-Instituts, das im Zuge der Reform der Fakultätenstruktur der Technischen Universität Bergakademie Freiberg im Jahr 1993 seinen Namen in Institut für Eisen- und Stahltechnologie geändert hat.
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Bis zum Amtsantritt des Nachfolgers lag die Durchführung der Dienstgeschäfte des Instituts zwischenzeitlich wiederum in den Händen von D. Peisker.
 
Am 1. 8. 2002 nahm P. R. Scheller seine Tätigkeit als Direktor des Instituts für Eisen- und Stahltechnologie auf. Prof. Scheller war zuvor bis 1986 bei der Vereinigten Deutschen Metallwerke AG und anschließend bis zur Annahme seines Rufs nach Freiberg bei Krupp Thyssen Nirosta beruflich tätig.
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Nach dem Ausscheiden von P. R. Scheller werden die Dienstgeschäfte des Instituts für Eisen- und Stahltechnologie seit 31.1.2012 vorerst von H. Biermann als amt. Institutsdirektor wahrgenommen.
 
Schriftum
/1/ Lüdemann, K. F.:
Dreißig Jahre Eisenhüttenkunde der Bergakademie Freiberg i. Sa.
Freiberger Forschungsheft B 44 (1961), S.9-20

/2/Leber, E.:
Adolf Ledebur -Der Eisenhüttenmann
Verlag Stahleisen m.b.H. Düsseldorf (1912)

/3/Fenzke, H.-W.:
Neue Hütte 32 (1987) Nr.1, S.39

/4/Eckstein, H.-J.; Steyer, H.-L.; Mühlfriedel, W.:
100 Jahre Fachrichtung Eisenhüttenkunde an der Bergakademie Freiberg
In: Grundlagen und Technologie der Stahlerzeugung
VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig 1975, S.9-58

/5/N. N.:
Stahl u. Eisen 50 (1939) Nr. 15, S.469-477

/6/Bishof, W.:
Neue Hütte 4 (1959) Nr. 5, S. 258-266

/7/Eckstein, H.-J.:
Werkstoffkunde Stahl und Eisen I, Technische Eisenwerkstoffe, Eisenlegierungen,
VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig, 1971

/8/Eckstein, H.-J.:
Werkstoffkunde Stahl und Eisen II,
VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig, 1972

/9/Eckstein, H.-J.:
Korrosionbeständige Stähle,
Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig, 1990, S. 12-17
 
 
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